Kulturleben an der Irena-Sendler-Schule

Kulturleben, Schulkultur und kulturelle Bildung sind komplexe Begrifflichkeiten, die sich nicht in einem Satz greifen lassen und an dieser Stelle nicht umfassend erörtert werden können. In einer Weise ist alles kulturstiftend, was in Schule getan und gelebt wird. Wie jedoch das Kulturgut geprägt ist, das wir unseren Schülerinnen und Schülern mit auf ihren Lebensweg geben, ob klassisch musisch-künstlerisch oder mathematisch, sprachlich, sportlich, naturwissenschaftlich, praktisch handwerklich oder anders, hängt neben den Vorgaben aus den Bildungsplänen auch mit dem Leitbild einer Schule und bei uns im Besonderen auch mit dem Namen und der Person Irena Sendler zusammen. Eine große Schulgemeinschaft, wie die unsere an der ISS, bildet in allen Aktivitäten und jedem pädagogischen Handeln die individuellen Fähigkeiten, Möglichkeiten, Interessen, Leidenschaften und die Ambitionen der an ihr beteiligten Lehrerinnen und Lehrer, der Schülerinnen und Schüler sowie der Eltern ab. Die Tatsache, dass viele unserer Schulgemeinschaftsmitglieder eine große Identifikation mit der eigenen Schule hegen, birgt das Potential für ein vielfältig und engagiert gelebtes und erlebtes Schulleben. Insofern tragen alle und trägt alles zu einer sehr lebendigen und bunten Schulkultur an der Irena-Sendler-Schule bei.

Was lebt nun bei uns an der ISS? Das klassische Kulturleben unserer Schule präsentiert sich in den künstlerischen Fachbereichen Musik, Bildende Kunst, Theater und Modedesign mit regelmäßig im Jahr stattfindenden Konzerten, der Teilnahme an oder der Durchführung von Ausstellungen, Projekten und Performances. Hochmotiviert agierende Fachschaften sorgen für fundiertes, mit allen Sinnen erlebtes und insofern nachhaltiges Erfahrungswissen. Den Schülerinnen und Schülern werden hier kreative Räume eröffnet, die individuell gefüllt werden dürfen und sollen. Der Fachbereich Musik etwa positioniert sich an der ISS mit dem Winter- und dem Sommerkonzert sowie diverser Chor- und Ensemblearbeit mit hochkarätigen Musikern. In den Bereich Theater/Darstellendes Spiel wird von den beteiligten Kolleginnen und Kollegen viel Herzblut gesteckt. Die alljährliche Modenschau vom Wahlpflichtbereich Modedesign und der Balladenabend des 7. Jahrgangs erfreuen sich jedes Jahr einer begeisterten Öffentlichkeit. Eine deutlich handwerkliche Schulkultur erleben die Schülerinnen und Schüler regelhaft in Jahrgang 5 und 6 im Fach Arbeit und Beruf in unseren Werkstätten für Metall, Holz und Textil sowie in Hauswirtschaft in der schulischen Lehrküche. Jeweils für ein halbes Jahr durchläuft jede Schülerin und jeder Schüler jedes dieser vier Gewerke. Dabei werden insbesondere in Holz, Metall und Textil Arbeitsprozesse erprobt, die den Schülerinnen und Schüler in einer Welt des eiligen Mausklicks häufig einen für sie ungewohnt langen Atem abfordern, der in unserer schnelllebigen Zeit eine wichtige Erfahrung darstellt. In Jahrgang 7 und 8 wird es schließlich ganz naturnah in unserem 3500 m² großen Schulgarten (s. auch Schulgartenkonzept). Wer sich in diesen beiden Schuljahren für den Wahlpflichtkurs „Schulgarten“ entscheidet, darf sich glücklich schätzen, vier Stunden pro Woche draußen in der Natur zu verbringen und Himmel, Erde, Pflanzen und Insekten ganz nah zu erleben. Ab dem Frühsommer 2021 freuen wir uns, vier Bienenvölker bei uns im Schulgarten zu beherbergen. Dieser seit 2019 im Entstehen befindliche Garten macht Gartenkultur auf die verschiedenste Weise erlebbar. Mit seinen fachbereichsübergreifenden Möglichkeiten und in seiner Größe ist er in seiner Art einzigartig.

Die schulkulturelle große ‚Klammer‘ ist, wie bereits erwähnt, unsere Namensgeberin Irena Sendler und ihr beispielhaftes Leben, das für uns Anregung und Vorbild ist. Hierzu veranstalten wir jedes Jahr um den 15. Februar zu ihrem Geburtstag einen Irena-Sendler-Tag, an dem wir inhaltlich zu ihr oder in ihrem Sinne zu aktuell gesellschaftlich relevanten Themen arbeiten. An dieser Stelle sei erwähnt, dass Irena Sendler in ihrer Heimat Polen ihren Namen vielen Schulen geschenkt hat. Allerdings ist eine derartige Namensgebung in Polen im Unterschied zu Deutschland mit einer Ehrung für kontinuierliches soziales Engagement verbunden. Nachdem wir uns in Wellingsbüttel vor 10 Jahren diesen Namen einfach „genommen“ und ausgewählt haben, ohne dass dem explizites soziales Tätigsein vorausging, fühlen wir uns dennoch der auf Irena Sendler bezogenen polnischen Tradition verpflichtet. Der seit vielen Jahren regelmäßig stattfindende Austausch des 8. Jahrgangs mit unserer polnischen Schwesterschule in Warschau intensiviert kontinuierlich unsere eigene Identifikation mit dem Namen und der Person Irena Sendlers. Nicht zuletzt die rege Auseinandersetzung mit ihrer Persönlichkeit und mit ihrer beispiellosen Rettung von 2500 Kindern aus dem Warschauer Ghetto führt zunehmend dazu, dass wir uns als Schulgemeinschaft noch mehr unserer Verantwortung in der Gesellschaft bewusst werden und sind. Seit etlichen Jahren bemühen wir uns daher, gesellschaftlich relevant und unterstützend tätig zu sein. Seit 4 Jahren backen wir im November gut 2500 Plätzchen, die für die Verkäuferinnen und Verkäufer der Obdachlosenzeitschrift Hinz&Kunzt und andere bedürftige Menschen der Stadt Hamburg bestimmt sind. Im Jahr 2020 wurden gar mehr als 6000 Plätzchen in häuslicher Handarbeit liebevoll hergestellt und konnten an viele städtische und kirchliche Obdachlosenstätten in Hamburg ausgeliefert werden. Die Freude und Dankbarkeit waren groß! Regelmäßig Mitte Dezember zur Weihnachtszeit beteiligen sich außerdem viele Schulgemeinschaftsmitglieder an der Weihnachtspäckchenaktion, die für Kinder und Jugendliche bestimmt ist, denen es nicht so gut geht wie uns. Drei weitere kulturelle Veranstaltungen bereichern im Laufe eines Schuljahres unser Schulleben. Im Herbst und im Frühjahr finden seit dem Schuljahr 2019/20 zentrale Gartentage für unseren großen Schulgarten statt – diese neue Regelmäßigkeit ist in 2020 coronabedingt leider in Mitleidenschaft geraten. Der jährliche Weihnachtsbasar vor dem 1. Advent ist ein stimmungsvolles Highlight und präsentiert neben adventlichen Köstlichkeiten weihnachtliche Basteleien und kleine Geschenke des Jahrgang 5 und verschiedener Wahlpflichtkurse. Außerdem haben die vielen Schülerfirmen des 10. Jahrgangs hier ihren großen Auftritt, bei dem sie ihre Dienstleistungen und Produkte dem Publikum anbieten. Das Sommerfest, ein Event meist am Ende eines Schuljahres, an dem die gesamte Schulgemeinschaft beteiligt ist, steht in der Regel unter einem Motto, das den Aspekt ‚Wir – eine vielfältige, bunte Gemeinschaft – feiern‘ im Fokus hat. Die Einnahmen dieses großen Festes fließen einem guten Zweck zu. Dieser kann innerhalb oder außerhalb der Schule gefunden werden. Die abendliche Veranstaltungsreihe „zu Gast bei Irena“ wartet nach einem überstandenen Neubau, einem intensiven internen Schulentwicklungsprozess und der derzeitigen Pandemiesituation darauf, mit gesellschaftlich interessanten Themen wieder neu belebt zu werden.

Bei Anregungen und Fragen nehmen Sie gerne Kontakt auf mit:

Susanne Stöhr, Kulturbeauftragte, susanne.stoehr@iss.hamburg.de